Dienstag, 5. Februar 2013

Das goldene Zeitalter - Edle Gedanken

Wie edle Zitate durch inflationären Gebrauch in Sinnlosigkeit überführt werden.


Wenn Gerechtigkeit nur durch Unrecht, wenn Menschlichkeit nur durch Tränen und Leid anderer, wenn Frieden nur durch Kriege erreicht werden, möchte ich sie nicht haben.

Ich träume einfach weiter von echten goldenen Zeiten, die leider nur in wenigen Zeilen von Dschuang-Dsi beschrieben sind.  Ich realisiere, soweit ich alleine dazu fähig bin, meine eigene goldene Welt, in die ich meine Freunde einlade.

Ich schreibe keine Bücher, und ich lese auch keine mehr. Jeder, der Lust hat, schreibt heute ein Buch oder mehrere, und betrachtet sich damit als Schriftsteller; egal, ob und wie er sich ausdrücken kann und ob er überhaupt etwas zu sagen hat. Dieser Schriftsteller-Wildwuchs ist ein Verbrechen an der echten Literatur. Und selbst gehaltvolle Aussagen echter Schriftsteller werden, ohne daß man sie überhaupt verstehen würde, durch gedankenloses Zitieren in den Sumpf gezogen. Dieses gedankenlose in Worten kramen – je mehr, desto besser – ist eine Auswirkung der Konsumentenmentalität, die uns von Kindheit auf eingeimpft wird. Und die hieraus resultierende Massenintellektualität befriedigt ihren "Wissensdurst" auf einem ihrer Aufnahmekapazität angepassten Niveau.

Die Zeit ist überreif, aus dem Gelesenen etwas zu machen. Was Bücherschreiben betrifft, so gehe ich mit Nietzsche konform und unterstreiche seine Aussage in "Vom Lesen und Schreiben":  - Wer den Leser kennt, der thut Nichts mehr für den Leser. Noch ein Jahrhundert Leser - und der Geist selber wird stinken.


Das goldene Zeitalter


In jener Zeit, da das naturgewollte Wirken in höchster Form noch auf der Erde herrschte, schätzte man nicht Weisheit hoch und fragte nicht nach Fähigkeit.

— Der Herrscher glich einem Baume, der mit seinen Zweigen alles schirmt, das Volk war wie die Rehe, die sich unter seine Krone schmiegen.
— Die Menschen waren rechtschaffen und gerade, ohne zu wissen, was Pflicht ist.
— Sie liebten ihren Nächsten, ohne zu wissen, was Liebe ist.
— Sie waren treu, ohne zu wissen, was Treue ist.
— Sie waren wahrhaft, ohne zu wissen, was Wahrhaftigkeit ist.
— In aller Selbstverständlichkeit halfen sie einander, ohne das als besondere Güte zu empfinden.
— Darum hinterließen ihre Taten keine Spuren, und ihre Werke wurden nicht der Nachwelt überliefert.

Dschuang-Dsi - (Das wahre Buch vom südlichen Blütenland)

Tedora, 05.02.13