Montag, 9. Februar 2009

Schamanen und Krankheit als schamanistisches Zeichen?

Aktuelles und Neuigkeiten aus meinem Leben

Wie ihr ja alle wisst, liebe Leser, liebe Freunde, bin ich im Frühjahr 2003 mit meinen zwei Söhnen aus Deutschland nach Paraguay ausgewandert. Es kam mir auch sehr gelegen, da ich damals sehr Krank war, mir ein tropisches Land empfohlen wurde. Mein gesamte Körper hatte einen unappetitlichen Ausschlag, ich hatte große Schmerzen und konnte nur durch Einnahme von stark dosierten Cortison beweglich sein.

Schon in der erste Woche meiner Einwanderung in Mai 2003 bekam ich einen ziemlich heftigen Rückfall, hatte Mobilitätsprobleme, litt unter große Schmerzen und musste im Hotel ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Mein Dank geht hier an Friedhelm Angersbach von Apart Hotel Porta Westfalica und seine bezaubernde Gattin Alejandra, die mich während meiner Krankheit freundschaftlich über die Möglichkeiten in Asuncion informierten und auch meine damals beide minderjährigen Kinder im Hotel liebevoll betreuten, wenn ich mit Taxi zum Arzt musste.

Ich sprach kein Wort Spanisch, meine Kinder ebenso. Jetzt sprechen beide perfekt Spanisch und ich leider nur broken Paraguayisch mit Guarani-Akzent. Noch als kranker, täglich Cortison nehmender, bereits fast 85 Kilo wiegender Person, mietete ich unser erstes Haus, mit traumhaften 2000 qm Garten und Pool in einen bewachten und rundum gemauerten Parkanlage in Luque bei Asuncion. .Als unser 40 Fuß Container pünktlich ankam, haben wir das Hotel nun nach 6 Wochen Aufenthalt verlassen. Ich wanderte nach Paraguay aus ohne davor je hier gewesen zu sein. Für mich war es kein Problem, da ich seit meinem 16. Lebensjahr in verschieden Ländern gelebt habe. Ich fühlte mich hier vom ersten Tag an wie zuhause.

Seit Sommer 2005 ist meine Krankheit glücklicherweise völlig und plötzlich verheilt und ich fühle mich seit dem wie neugeboren sowie neugewogen. Man hat versucht in meiner Krankheit um den 50.ten Lebensjahr die üblichen Vorzeichen zu sehen, dass ich ab nun an eine echte Schamanin sei, aber ich nahm es mit etwas Schmunzeln auf und bedankte mich dafür.

Meine Fähigkeit, intuitiv -manche sagen, aus spiritueller Eingebung heraus- mehr über Menschen, ihre Schicksale, ihre Situationen und den möglichen Gang der Ereignisse zu spüren, zu erahnen, zu fühlen, hat hier in Paraguay durch den Kontakt zu den noch in ihrer weitgehenden Ursprünglichkeit lebenden Indianern eine bedeutsame Vertiefung erfahren.

Die Sehnsucht von uns Menschen, es möge uns jemand an der Hand nehmen und uns durch das Leben führen, ist so alt, wie die Menschheitsgeschichte und wurzelt in den kleineren und großen Weltreligionen ebenso, wie in den zahllosen Sekten. Es sind immer dieselben uralten Ängste, die uns bewegen: die Angst vor dem Tod, Angst, einem unentrinnbaren Schicksal ausgeliefert zu sein, die Unwägbarkeiten der Zukunft.

Wir leben in einer Zeit, in der für zahllose Menschen die großen Weltreligionen an Überzeugungskraft verloren haben und die Globalisierung zwar der Menschheit große Chancen eröffnet, aber gleichzeitig den Einzelnen in einen erbarmungslosen Wettstreit um Haben und Mehr- Haben wirft, angeheizt von ungezügelter Gewinnsucht. Es sind die unangenehmen menschlichen Eigenschaften, die das Schmieröl für den Gesellschaftsmotor liefern: Habgier und Neid. Wir verlieren soziale Klammern, werden heimatlos und entwurzelt. Weiter die zunehmende Armut in der Welt, Nährboden für soziale Unruhen, Migration ungeahnten Ausmaßes, Kriminalisierung und Terrorismus, und die globale Bedrohung unserer Biosphäre. Dies alles sind Szenarien eines gewaltigen Umbruches in der Geschichte.

Wie immer in der Geschichte ist es auch eine Zeit neuer Priester und neuer Götter, eine Zeit der Verführer und Scharlatane, selbsternannter Propheten und messianischer Heilsbringer, Sekten und Sektierer. Ängste, Vereinsamung, Vereinzelung und Orientierungslosigkeit sind unsere Weggefährten und treiben uns nur allzuschnell Anbietern allerlei Seelenheils in die Arme. Die Welt ist voller neuer „Heilsbringer", die uns an der Hand nehmen und uns dabei in die Taschen greifen. Sie verkaufen uns Illusionen, die uns jedoch am Ende nur ärmer machen - an Seele und Vermögen!

Viele Jahre ist es her, dass ich meine Fähigkeiten nur für mich und später für meine Familie nutzte, bis mich Freunde drängten, diese Fähigkeiten allen Hilfesuchenden zukommen zu lassen.

Sechs Jahre habe ich nun intensiven Kontakt zu den Indianerstämmen im Herzen Südamerikas. Zu ihren Mythen und Ritualen, zu ihrem Glauben und ihrem Weltverständnis. Sie haben mich in meiner Überzeugung bestätigt, dass es Übersinnliches im Sinne des „Aussernatürlichen" nicht gibt. Wohl aber Feinsinnliches und die Fähigkeiten, uns über die Dimensionen von Zeit und Raum zu schwingen und höhere Dimensionen zu ahnen und zu fühlen - Fähigkeiten, die zwar tief in uns schlummern, aber bei den meisten Menschen „verschüttet seien, da sie sich von der wahren Natur des Kosmos zu weit entfremdet hätten..."

Ich wusste zunächst nicht, wie ich das interpretieren sollte. Natürlich habe ich mir viele Gedanken gemacht, gerätselt und spekuliert. Eines Tages unterhielt ich mit einem befreundeten theoretischen Physiker, der meinen Rat in einer schwierigen familiären Situation suchte. Beiläufig fragte ich ihn nach höheren Dimensionen und er erklärte mir, höhere Dimensionen als Zeit und die drei bekannten Raumdimensionen seien in der Physik Realität. Scheinbar unzusammenhängende oder auch unlösbare Probleme könnten in höheren Dimensionen einfache, elegante und harmonische Lösungen haben. In der Mathematik sei es ohnehin kein Problem, mit beliebig vielen Dimensionen zu rechnen. Die Frage sei nur, wie viele wir in der physikalischen Realität bräuchten. Neueste Thesen arbeiteten mit einer zehn-dimensionalen Raumzeit, je nach Formulierung sogar in 26 Dimensionen…

Nur vorstellen können wir es uns nicht. Was in den Dimensionen unserer Erfahrungswelt wie ein Wunder wirkt, kann in einer höher dimensionalen Welt völlig normal sein. Verwirrungen und Rätsel finden in höheren Dimensionen eine Auflösung. Auch die Zeit habe in physikalischen Gleichungen keine bevorzugte Richtung. Vergangenheit und Zukunft sind in höheren Dimensionen ein Kontinuum, liegen ausgebreitet vor uns.

Wollte mir der Schamane der indigenen Maká-Stämme sagen, dass Übersinnliches nichts anderes ist, als die Überwindung unserer in Zeit und Raum gefangenen abgestumpften Bewusstseinsebenen? Die Intuition als blitzhafte Erleuchtung höherer Dimensionen, in die wir eingebettet sind?


Wollte er mir sagen, dass der verschlungene und rätselhafte Pfad eines menschlichen Lebens aus höherdimensionaler Betrachtung klar und einleuchtend sein muss?

Das könnte auf Vorherbestimmung hinauslaufen, die aber viel Widersprüchliches aufwirft: Wenn alles vorherbestimmt wäre, könnten wir dann einen Stalin, Hitler oder all die anderen Massenmörder der Geschichte verurteilen...? Das Strafgesetzbuch müsste den Schuldbegriff tilgen! Die Konsequenzen in juristischer und ethischer Hinsicht wären also unabsehbar. Die Theologen aller Religionen kämen da in große Bedrängnis, müssten sie doch erklären, dass Gott oder wer auch immer, nicht nur Güte ist, sondern Unheil, Bösartigkeit, nicht nur summum bonum (Augustinus), sondern auch summum malum (das größere Übel) in die Welt bringt. Der einzige Rückzugswinkel für das göttliche Bodenpersonal wäre also: Gott allein wird wissen, warum! Damit haben sie sich überflüssig gemacht, denn wenn nur ER alleine weiß, brauchen wir keine Interpreten mehr in Kaftan oder Soutane.

Die Schamanen der Maká haben in unseren Gesprächen nie auf eine Vorherbestimmung hingewiesen. Für sie scheint die Zukunft offen zu sein, wie es auch die moderne Naturwissenschaft lehrt. Die Maká wiesen aber immer eindringlich darauf hin, dass alles mit allem zusammenhängt. Nichts ist absolut einzeln. Auf einer bestimmten Ebene (meinen sie Dimension?) lasse sich der Baum nicht mehr vom Menschen, der Vogel nicht mehr vom Fluss, der Berg nicht mehr vom Schmetterling trennen. Auch diese Einsicht findet ihre Entsprechung in einem bestimmten Zweig der Physik, der Quantentheorie, nach der sich winzigste Erschütterungen hier allen Winkeln des Kosmos mitteilt. Es scheint so, dass sich das alte mechanistische Weltbild der Physik auflöst, und sich alte Weisheiten und Mythen mit den Naturwissenschaften versöhnen, so wie es die darstellende Kunst und Musik schon immer getan haben. Es ist gerade wenige Jahre her, dass der Dalai Lama im Gespräch mit Physikern der Universität Innsbruck (glaube ich) eine zunehmende Annäherung der Weltbilder fernöstlicher Weisheitslehren und der modernen Physik konstatierte.

Haben wir letztendlich einen Zeitbogen von Hundertern von Jahren abendländischen Denkens gebraucht, um dahin zu kommen, was mir der Maká-Schamane offenbarte?

Fragen über Fragen und Verwirrung. Bei unserem letzten Treffen deutete ich meinem alten, von mir hoch verehrten Freund gegenüber an, ich müsse in naher Zukunft entscheiden, wie es nun mit meiner Familie weiterginge. Die Kinder hätten ihren Hochschul-Abschluss und eventuell stünde die Aufnahme eines Studiums in Europa bevor. Also zurück in die alte Heimat!?

Mein guter Freund, alter Maká-Geistesfreund sagte mir daraufhin, es sei nun an der Zeit für mich, mit einem anderen, höher gestellten Menschen der indigenen Stämme Südamerikas zu sprechen. Ich müsse dazu aber für einige Wochen in den unwirtlichen nördlichen Gran Chaco (nahe der bolivianischen Grenze). Das kann ich natürlich wegen meiner Kinder nicht und ich bot ihm an, dass dieser Mann gerne für einige Wochen Gast in meinem Hause sein könne.

Die Antwort steht noch aus. Ich bin voller Erwartung. Bin ich all die Jahre geprüft worden? Wer ist dieser höher gestellte für Fremde und für mich unbekannte Mensch, den die Indios so immens verehren? Hat man mich „für würdig" befunden, tiefere Weisheiten, Einsichten zu erfahren, die mich befähigen, anderen Menschen besser helfen zu können, als ich es je konnte? Ich muss es abwarten… Ich werde euch über die weiteren Neuigkeiten informieren.

Herzlichst aus Paraguay

Tedora